Die 12 Grundregeln der Animation
In den 1980er Jahren von zwei Disney-Animatoren zusammengetragen, sind diese zwölf Regeln bis heute die gemeinsame Sprache der Animation. Alle beantworten eine Frage: wann wirkt eine Zeichnung lebendig? Hier die vollständige Liste und was sie beim Zeichnen von Hand praktisch bedeuten.
Versuche nicht, alle zwölf gleichzeitig anzuwenden
Die zwölf Regeln sind ein Wörterbuch, keine Checkliste. Für Anfänger zahlen sich drei am schnellsten aus: Timing, Stauchen und Strecken sowie Vorbereitung und Nachschwingen. Sitzen diese drei, verbessert sich der größte Teil deiner Animation von selbst. Der Rest erschließt sich nach und nach, wenn du ihn brauchst.
Die Regel mit der größten Wirkung: Timing
Dieselben Posen ergeben mit anderem Timing eine völlig andere Figur. Eine Bewegung, die langsam beginnt und beschleunigt, wirkt schwer, entschlossen, groß; eine, die schnell beginnt und ausläuft, wirkt leicht und nervös. Für Timing brauchst du keine neuen Zeichnungen — vorhandene länger zu halten genügt oft.
Der Vorteil des Zeichnens: die Form darf sich ändern
Stauchen und Strecken, Übertreibung und Bögen setzen voraus, dass sich die Form selbst verändert. In Werkzeugen, die ein fertiges Objekt nur verschieben, drehen und skalieren, ist das mühsam; zeichnest du jedes Bild neu, bekommst du es geschenkt. Das ist der Hauptgrund, warum Einzelbildanimation heute noch gewählt wird.
| Regel | Bedeutung |
|---|---|
| Stauchen und Strecken | Eine Form verformt sich in Bewegung und behält ihr Volumen |
| Vorbereitung | Eine kleine Gegenbewegung vor der Hauptaktion |
| Inszenierung | Bildausschnitt und Pose lenken den Blick auf das Wesentliche |
| Von vorne oder von Pose zu Pose | Der Reihe nach zeichnen oder zuerst die Extreme |
| Nachschwingen und Überlagerung | Haare und Stoff bewegen sich weiter, wenn der Körper hält |
| Langsam ein und langsam aus | Anfang und Ende einer Bewegung tragen mehr Zeichnungen |
| Bogen | Lebendige Bewegung folgt einer Kurve, keiner Geraden |
| Sekundäraktion | Kleine Zusatzbewegungen, die die Hauptaktion stützen |
| Timing | Bildzahl und Standzeiten; daher kommen Gewicht und Charakter |
| Übertreibung | Die Wirklichkeit so weit steigern, dass sie klar lesbar wird |
| Solides Zeichnen | Volumen, Balance und Perspektive bleiben über die Bilder stimmig |
| Ausstrahlung | Pose und Gestaltung machen Freude beim Ansehen |
Häufige Fragen
Wer hat die 12 Grundregeln aufgestellt?
Die Disney-Animatoren Ollie Johnston und Frank Thomas fassten in ihrem Buch von 1981 jahrzehntelange Studiopraxis in zwölf Punkten zusammen. Die meisten Ideen waren seit den 1930er Jahren im täglichen Gebrauch.
Gelten diese Regeln auch für digitale Animation?
Ja. Die Regeln betreffen die Wahrnehmung, nicht das Werkzeug; sie beschreiben, wie das Auge Bewegung liest. In 3D, Motion Graphics und Oberflächenanimation gelten sie unverändert.
Mit welcher Regel soll ich anfangen?
Mit dem Timing. Wenn du gesehen hast, wie unterschiedlich dieselben Zeichnungen mit anderen Bildzahlen und Standzeiten wirken, erklärt sich der Zweck der übrigen Regeln von selbst.
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